Vogelspinnen gelten als relativ robuste Tiere, dennoch gibt es eine Reihe von typischen Erkrankungen, Parasiten und Haltungsfehlern, die schwere gesundheitliche Probleme oder schlimmstenfalls zum Tod führen können.
Die häufigsten Krankheitsbilder und gesundheitlichen Störungen lassen sich in folgende Kategorien einteilen:
- Parasitäre Erkrankungen
- Fadenwürmer: Eines der gefürchtetsten Krankheiten. Befallene Spinnen zeigen oft eine weiße, feuchte, süßlich riechende Masse um die Mundöffnung. Sie trinken exzessiv, stellen die Nahrungsaufnahme ein und zeigen unkoordinierte Bewegungen. Fadenwürmerbefall verläuft meist tödlich und ist hochansteckend. Hier ist strenge Quarantäne erforderlich.
- Milben: Futter- / Schimmelmilben: Oft harmlos auf dem Bodengrund oder an Futterresten, können aber bei zu hoher Feuchtigkeit in großer Zahl die Spinne belästigen.
- Parasitäre Milben: Sitzen meist an den Gelenken oder den Buchlungen. Sie schwächen das Tier zunehmend.
- Fliegenlarven: Buckelfliegen legen ihre Eier bevorzugt an geschwächten, sich häutenden oder verletzten Spinnen ab. Die Larven fressen die Spinne von innen heraus auf. - Häutungsprobleme
Häutungsstörungen gehören zu den häufigsten Todesursachen in der Haltung. Sie werden meist durch falsche Luftfeuchtigkeit (zu trocken oder zu nass) oder Dehydration ausgelöst.
- Steckenbleiben in der Exuvie: Die Spinne schafft es nicht, Einzelne Beine, ihren Körper oder das Prosoma (vordere Körper) vollständig aus der alten Haut zu ziehen.
- Mechanische Missbildungen (Gelenke): Nach der Häutung verhärten die Gliedmaßen fehlerhaft (z. B. gekrümmte oder unvollständige Beine).
- Futtertier-Angriffe: Wenn Futtertiere während oder direkt nach der Häutung im Terrarium verbleiben, können sie die noch weiche Spinne anfressen oder tödlich verletzen. Deswegen ist hier immer wichtig, wenn der Abdomen schwarz ist und die Spinne das Futter verweigert oder sich einbuddelt, dann bitte sofort die Futtertiere entfernen.
Kontrolle im Haltungsmanager machen, wann die letzte Häutung war und wann die Futtertiere ins Terrarium gesetzt wurden. Daran kann man schon erkennen, ob die Spinne vor einer Häutung steht. - Neurologische Störungen
- DKS (DysKinetic Syndrome): Es handelt sich hier um ein Symptomkomplex. Die Spinne zeigt unkontrolliertes, zittriges, starrkrampfiges oder chaotisches Laufen (auch Tanz-Bewegungen genannt).
- Mögliche Ursachen bei neurologischen Störungen: Vergiftungen (Pestizide, Insektensprays, Antifloh-Mittel von Haustieren (Hund, Katze,...)), bakterielle Infektionen, Dehydration oder Vergiftung durch Schadstoffe in Korkwänden und falscher Bodengrund. - Schäden und Verletzungen
- Verletzungen am Abdomen (Hinterleib): Durch Sturz aus großer Höhe (besonders bei Bodenbewohnern) kann das pralle Abdomen aufplatzen. Da Vogelspinnen ein offenes Blutkreislaufsystem besitzen, droht schnelles Verbluten. Deswegen ist es auch so wichtig, dass sie nicht überfüttert und nicht auf die Hand genommen werden.
- Gliedmaßen-Verlust: Bei schweren Verletzungen an den Beinen kann die Spinne das betroffene Bein selbstständig an einer Sollbruchstelle abwerfen. Dieses Bein regeneriert sich über die nächsten Häutungen, sofern die Spinne nicht die letzte Häutung gehabt hat. - Pilz und Bakterieninfektion
- Pilzbefall: Tritt vor allem bei dauerhaft zu hoher Luftfeuchtigkeit und mangelnder Belüftung (Staunässe im Terrarium) auf. Auf dem Exoskelett oder den Buchlungen bilden sich gelbliche, gräuliche oder weiße Flecken.
- Bakteriellerbefall: Oft die Folge von kleinen Verletzungen. Sie können zu dunklen Nekrosen (Gewebeabsterben) am Panzer (Wo die Beine dran sind) oder Vergiftungen des Kreislaufs führen. - Dehydrierung
Vogelspinnen trocknen sehr schnell aus, wenn kein Frischwasser zur Verfügung steht oder die Luftfeuchtigkeit dauerhaft zu niedrig ist.
- Symptome: Das Abdomen wirkt schrumpelig, die Spinne zieht ihre Beine fest unter den Körper (auch Death Curl genannt) und reagiert träge.
Erste Hilfe: Sofortiges Umsetzen auf feuchtes Zewa und vorsichtiges Anbieten von Wassertropfen direkt an die Cheliceren (Mund der Spinne bei den Kieferklauen).
Die Erforschung von Erkrankungen bei Vogelspinnen steht im Vergleich zu Säugetieren noch sehr am Anfang. Eine klassische Behandlung mit Medikamenten durch Tierärzte ist daher fast unmöglich. Umso wichtiger ist die gezielten Informationen einzuholen. Wer sich vor der Anschaffung gründlich über die artgerechten Haltungsbedingungen informiert, vermeidet die häufigsten Todesursachen wie Dehydration, Häutungsstörungen oder Krankheiten.
Sollten dennoch Symptome oder Probleme auftreten, empfiehlt es sich, frühzeitig Rat bei erfahrenen Züchtern, langjährigen Haltern oder einem auf Exoten spezialisierten Fachtierarzt einzuholen. Bei Verletzungen oder Austrocknung können zudem gezielte Erste-Hilfe-Maßnahmen Leben retten.
+ Erste Hilfe bei Verletzungen am Abdomen
Eigenschutz ist das Wichtigste, daher zieht euch bitte Handschuhe an.
Nehmt dann ein Tuch, legt es über die Spinne und fixiert sie auf diese Weise.
Benutzt flüssiges Sprühpflaster oder Sprühverband und sprüht es auf die betroffene Stelle. Bitte achtet darauf, dass ihr nicht das ganze Tier einsprüht, sondern nur ganz leicht die offene Wunde ansprüht.
Was ich eher weniger empfehle, was aber dennoch zur Not genutzt werden kann, ist Maismehl, Stärke oder Blutungsstopp-Pulver.
Seid auch dabei sehr sparsam.
Deswegen empfehle ich, immer ein Wundsprühpflaster im Haus zu haben. Für sich selbst und natürlich für die Spinnen.
Familien mit Kindern haben in der Regel solche Flaschen immer im Haus.
Auch gelegentlich die Haltbarkeit prüfen.
